Chiesa di Santa Anastasia, Verona © G. Glas

Dem Leiden Sinn geben! Durchkreuztes Leben

Wolgang Fischer,


Die Menschen wollen glücklich sein, Freude erfahren. Viele leben in einer "Fun"- Gesellschaft und nicht wenige "amüsieren sich zu Tode" (Buchtitel). Doch die uns begegnende Welt ist nicht immer rosarot und himmelblau. Leben wird durchkreuzt, es läuft nicht so, wie ich es dachte.

 

Es gibt tausend Gesichter des Leides

Es gibt tausend Gesichter des Leides. Vieles ist aufzuleiden, Trauern macht müde. Das Ende einer Beziehung, in der ich so viel investierte, - ein Schicksalsschlag, der mich oder uns traf - eine auftretende Krankheit oder Behinderung - der Zerfall unserer Familie nach dem Erbschaftskrieg - Gott schreibt schwierige Dinge in meinen und deinen Terminkalender.

Doch dem Leiden ist Sinn abzuringen. "Alles hat seinen Sinn!" - so lautet das Credo des jüdischen Psychologen Viktor Frankl. Er weiß, wovon er, der KZ-Häftling, spricht! „Trotzdem Ja zum Leben sagen“, heißt sein trotziger Buchtitel, wo ein Psychologe seine Beobachtungen über das seelische Erleben der KZ-Häftlinge beschreibt. Mit den Unheilsmächten, dem Tod, der Sünde und dem Leid, fertig zu werden, das schafft die "Trotzmacht des Geistes", die uns geschenkt ist.


Phasen des Leidens

Joseph Kentenich benennt verschiedene Phasen des Leidens, die er aus seiner christlichen Tradition (etwa der Betrachtung des Leidens Jesu am Gründonnertag Abend) und aus seiner Erfahrung mit leidenden Menschen gewonnen hat.


1. Der natürliche Widerstand

Es gibt zu viel Leid in jedem Leben. Kreuzesnachfolge kann nie heißen, das "Kreuz" zu umarmen. Das Leid ist ein Übel, ein böses Übel, ein Feind, der besiegt werden will. Nietzsche bezeichnet manche Christen als "Ofenhocker, die zu Kreuze kriechen". Es gibt Menschen, die nur begrenzt gelernt haben, "Nein" und "Ich" zu sagen. Solchen fällt der eigentlich natürliche Widerstand gegen das Leid schwer.


2. Der kindliche Aufschrei

Schreien, Klagen, mit Gott schimpfen (wie Ijob) - all das sind gemüthafte Dinge. Oft haben manche das Gegenteil gehört: Buben weinen nicht! Deutsche zeigen oft so wenig ihre Gefühle oder gar Tränen. Du sollst auf die Zähne beißen! Menschen haben Angst, in ihrem Leid zu versinken, doch dieser kindliche Aufschrei ist ganz wichtig und verbleibt lange in der Seele des Leidenden.

 

3. Das göttliche Lächeln

Jesus hat in der Ölbergstunde ein majestätisches Wort gesprochen: "Nicht mein, sondern Dein Wille geschehe!" Wer wie und mit Jesus eine solche Haltung zu leben versucht, der erlebt nicht nur ein menschliches Weinen, sondern auch ein göttliches Lächeln. Vielleicht erst im Nachhinein kann eine Leiderfahrung in einer Sinnebene gesehen und geschaut werden. Bei reifen und älteren Menschen kann ich manchmal ein solches Lächeln sehen, das vor der Verbitterung schützt.

 

Aufgaben des Lebens

1. Sich einfühlen und gut Zuhören

Habe einfach Zeit, schaue nicht auf die Uhr, setze dich neben den traurigen oder trauernden Menschen, fühle dich ein, weine gegebenenfalls mit, höre heraus, was er sagen möchte und nicht zu sagen wagt, schau dir sein Leid an! Franz Kamphaus schreibt einmal: "Wer seine Seele zurückhält, kann nicht Seelsorger sein!"


2. Sympathisch lieben

Sympathisch kommt aus dem Griechischen und heißt direkt übersetzt "mit - leidend". Der Mitleidende wird zum Liebenden und der Liebende wird zum Mitleidenden. Es gibt keine Liebe ohne Leid und es sollte kein Leid geben, das nicht durch die Liebe erhellt wird. Nicht selten treffen sich ich und du im Focus des gemeinsam getragenen Leids.

 

Dem Leiden Sinn abringen, glaube mir, so ganz unmöglich ist das nicht!


 

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