Foto: Petra Bork/ pixelio.de

Was ist Burnout?

P. Elmar Busse,


Versuch einer Definition

 

Burn-out war von Anfang an ein Euphemismus, ein beschönigender Ausdruck (etwa wie „dritte Zähne“ für „künstliches Gebiss“). Eingeführt in die Seelenkunde hat den Begriff Herbert Freudenberger, ein New Yorker Psychoanalytiker deutscher Herkunft. In den 1970er-Jahren setzte er sich neben seiner Praxistätigkeit noch unentgeltlich für soziale Randgruppen ein und arbeitete oft 16 Stunden täglich. Bis er zusammenbrach – und danach ein Buch verfasste, in dem er sein „Ausbrennen“ beschrieb und definierte.

Schnell machte der Begriff Karriere – nicht zuletzt, weil das Phänomen unter Ärzten und Psychologen immer wieder vorkam.

 

Diese zimmerten sich eine angenehme Definition zusammen: ein Leiden, das nur die Leidenschaftlichen bekommen, das freilich keine psychische Krankheit ist, sondern nur eine schwere „Erschöpfung“ (die aber, siehe da, zu zahlreichen Krankheitstagen führen kann). Das Phänomen laufe in Phasen ab, wollte man festgestellt haben: unter anderem zunächst großer Ehrgeiz, dann Verdrängung von Misserfolgen, Vereinzelung, zynische Einstellung gegenüber den Menschen, für die man arbeitet.

 

Erst viel später überprüften Forscher die Stichhaltigkeit der Burn-out-Definition mit wissenschaftlichen Methoden. Ihnen fiel zunächst auf, dass Betroffene sehr häufig Angststörungen und Depressionen aufwiesen – das sind ernste psychische Erkrankungen. Depressionen sind die weit überwiegende Ursache der knapp 10.000 Suizide, die sich jährlich allein in Deutschland ereignen (weltweit schätzt man eine Million Fälle).

 

Auch passten zahlreiche Menschen, die mit ihrer Arbeit nicht mehr zurechtkamen, nicht in das Burn-out-Phasen-Modell. Bei Weitem nicht alle hatten „gebrannt“, viele waren eher Mitläufer, manche sogar gelangweilt. Und dass ihnen Patienten, Schüler oder Kunden gleichgültig oder verhasst geworden waren, ließ sich zumeist ebenfalls nicht bestätigen. Vereinzelt zeigten sogar schon Berufsanfänger die Symptome.

 

Auf Grund der Definitionsproblematik ist Burn-out bis heute keine anerkannte Krankheit. Deutsche Ärzte diagnostizieren stattdessen häufig eine „Arbeitsdepression“, „Erschöpfungsdepression“ oder „depressive Episode“.

 

Aus: unser weg, Schönstatt Familienmagazin 1/2013

www.unserweg.com

 


 

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