Foto: Bernd Kasper/ pixelio.de

Den Familiendampfer in Bewegung setzen


Familie E. ist jeden Sonntag im Spagat, sich einerseits erholsame Ruhe zu gönnen und andererseits ihre Kinder anzuspornen …

 

„Ohne Herrenmahl können wir nicht leben.“ Das war die mutige Antwort von 49 Christen, Männern und Frauen, vor ihrer grausamen Hinrichtung am 12. Februar 304 in Karthago. Sie hatten sich im Haus des Christen Octavio Felix getroffen, um gemeinsam am Sonntag Gottesdienst zu feiern. Der damalige römische Kaiser Diokletian hatte aber befohlen, alle christlichen Gebetshäuser zu zerstören, um Zusammenkünfte von Christen zu verhindern.

 

Unsere sonntägliche Realität

Wenn uns auch 1708 Jahre von diesem Ereignis trennen, ist die gesellschaftliche Realität in vielen Gebieten rund um den Globus gar nicht so weit entfernt von einer erneuten Christenverfolgung. Und auch wir als Familie erfahren in unserem Umfeld zunehmend eine Sonderstellung, wenn wir uns am Sonntag geschlossen als Familie zum Gottesdienst aufmachen. Wir sind eben schon lange nicht mehr in ein soziales Klima eingebettet, in dem es selbstverständlich ist, sonntags in die Kirche zu gehen und wo allein schon der gesellschaftliche Druck zur fraglosen Erfüllung der Sonntagspflicht führt. Vielfältige Angebote schwappen des Sonntags brühwarm auf unseren Frühstückstisch – wenn der dann endlich mal gedeckt ist, schließlich ist ja Sonntag – und müssen durchgekaut werden.

 

Unser 13-Jähriger strebt zum nächsten Fußballturnier, die nächst darunter liegende Altersklasse bockt und zickt, der Nächste im Bunde sieht als Schulanfänger überhaupt keine Notwendigkeit, in so einen langweiligen Gottesdienst zu gehen, ist sehr erziehungsresistent und wenig manipulierbar, während die Ein- jährige noch überall glücklich ist, wo sie dabei sein kann – nur müssen die Eltern hier gegen enorme Widerstände beim Wickeln und Fertigmachen angehen. Das ist unsere sonntägliche Realität!

 

Zu Sklaventreibern mutieren?

Als Eltern fragen wir uns immer wieder, ob unsere Aufgabe nun darin besteht, zu Sklaventreibern zu mutieren. Bis wir den in so unterschiedliche Richtungen strebenden Familiendampfer in Bewegung „Gottesdienst“ gesetzt haben, sind wir manchmal richtig erschöpft. Eine freie Entscheidung anzustreben, ist eben viel anstrengender und das vorherrschende Lustprinzip unserer Tage mal zu hinterfragen – noch viel mehr. Oft fehlt uns die Kraft, das Zeitmanagement gleich früh am Morgen mit dem ersten Augenaufschlag so im Blick zu haben, dass alles wie am Schnürchen klappt.

 

Aber ist nicht gerade der Sonntag auch zur Erholung da, um gemeinsam ohne Termindruck gemütlich an einem schön gedeckten Frühstückstisch zu sitzen, Zeit für Gespräche zu haben, Ereignisse der vergangenen Woche Revue passieren zu lassen, eine schöne Musik zu hören, sich bewusst den schönen Dingen der Schöpfung zu widmen? Zugegeben ist das mit kleinen Kindern oft mehr ein frommer Wunsch. Mit der Zeit klappt es vielleicht, nur einen kleinen Baustein umzusetzen, der dann aber mindestens so wertvoll ist wie ein Edelstein.

 

Kasernendrill am Sonntagmorgen? Nein, danke! Aber wenn wir den Sonntag von Gott her sehen und möglichst gemeinsam in die Kirche gehen wollen, dann erfordert die Realität wohl einen Mittelweg zwischen erholsamer Ruhe und Ansporn. Damit wir nicht regelmäßig erst nach dem Evangelium überhaupt in der Kirche eintreffen, hilft einmal der lohnende Ausblick auf ein gemeinsames Eis hinterher.

 

Ins Gespräch kommen mit den Kindern

Genauso wichtig ist es uns, mit den Kindern über das Sonntagsgebot ins Gespräch zu kommen. Neulich habe ich es folgendermaßen versucht: Dem lieben Gott ist es wichtig, dass Du mit Deinen Wünschen, Anliegen und Sehnsüchten zu ihm kommst und sie ihm anvertraust. Wie viele Gebete haben auch schon die Welt im Kleinen verändert oder auch Unheil abgewendet. Auf meine Anwesenheit kommt es also auch an, auf meine Bitte und Fürbitte für so viele Menschen. Gott ist in Sorge um jeden Menschen und greift auch ein, aber nur wenn wir es wollen und wir uns von der Muttergottes an die Hand nehmen lassen: Nichts ohne uns, nichts ohne dich. Der Zusammenbruch des Kommunismus in der Sowjetunion ist wohl so ein großartiges Beispiel, das ohne die vielen Beter und den großen betenden und diplomatisch wirksamen Papst Johannes Paul II. nicht denkbar war.

 

Uns gegen Quertreiber durchsetzen

Wir haben es eine Zeit lang mal versucht, schon am Samstagabend eine kleine Agape- Feier oder Vorbereitung auf den Sonntag anzustimmen. Dazu durfte sich jeweils ein Kind ein leckeres Essen aussuchen und mit zubereiten. Ein anderes Kind hat in Eigenregie den Tisch schön gedeckt, Kerzen herausgesucht oder das Hausheiligtum am Tisch mit Blumen geschmückt. Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Im Anschluss an das Essen haben wir das Evangelium vom Sonntag gelesen, sind manchmal noch über etwas Unverständliches ins Gespräch gekommen. Hinterher haben wir die Runde mit einem süßen Ausklang abgeschlossen.

 

Natürlich klappt das nicht immer, Quertreiber gibt es immer. Und wenn gerade wieder eine Stillphase mit Baby anstand, war ich zugegebener Maßen manchmal auch nur froh, wenn wir die ganz normalen täglichen Herausforderungen ohne große Zusammenbrüche überstanden hatten. Jede Familienphase hat ihr eigenes Maß. Sich da zu überfordern und ständig an der zu hohen Messlatte und den eigenen hohen Anforderungen zu scheitern, macht nur unglücklich. Aber die kleinen neuen Freiräume zu erkennen und zu ergreifen, ist dann auch wieder schön.

 

A. E.

Aus: unser weg, Schönstatt Familienmagazin 3/2012

www.unserweg.com


 

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