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Lust auf Selbst-Erziehung

Sr. Gertrud-Maria Erhard,

 

Wie kann es gelingen, mich selber zu entwickeln und das so, dass es „Spaß“ macht? – Eine Frage der Motivation!

 

Vor kurzem sah ich einen Videoclip mit dem Kabarettist Eckart von Hirschhausen. Er erzählt, wie er einen Pinguin mitleidig an - schaute: „Was für ein armes Würstchen, zu kleine Flügel, untersetzte Statur, und irgendwie hat der Schöpfer bei ihm auch noch die Knie vergessen – Fehlkonstruktion.“

 

Als der Pinguin aber ins Wasser sprang, staunte Hirschhausen nicht schlecht. Pinguine sind hervorragende Schwimmer, mit der Energie aus einem Liter Benzin schwimmen sie 2.000 km, das ist besser als alles, was Menschen jemals gebaut haben. Und die „Moral von der Geschicht'“: Wie wichtig ist es, in seinem „Element“ zu sein, dass die Stärken überhaupt zum Vorschein kommen und wie viel sinnvoller ist es, Stärken zu stärken als an seinen Schwächen herumzudoktern.

 

In meinem Element sein

Für jeden von uns ist es wichtig, in „seinem Element“ zu sein und den Rückhalt zu haben, jemand glaubt an mich. Ein Mann sagte kürzlich zu mir: „Weil ich weiß, dass meine Frau zu mir hält, egal wie ich bin, bin ich motiviert, an mir selber zu arbeiten, sonst würde ich gar nicht erst anfangen.“ Wenn eine solche Motivationsader berührt ist im Kern der Persönlichkeit, dann entsteht Kraft, die etwas im Innern des Menschen bewegt. Das macht sogar „Lust auf Selbsterziehung“. Und das strahlt dann nach außen. Auch im Du kann etwas bewegt werden, wenn dort der „Pinguin“ in seinem Element ist, wenn man spürt, jemand glaubt an mich. Das gilt überall da, wo ich für andere verantwortlich bin, insbesondere wenn es eigene Kinder sind: Ich glaube an dich! Du kannst das!

 

Rückwärts orientieren?

Um einen solchen Motivationsschub geht es Pater Josef Kentenich schon vor 100 Jahren, als er seinen ersten programmatischen Vor - trag hält für Jungen im Studienheim Vallendar. „Wir wollen lernen, uns selbst zu erziehen zu festen freien … Charakteren,“ so bringt er sein Anliegen auf den Punkt. „Selbsterziehung ist ein Imperativ der Zeit“ betont er im Angesicht der technischen Entwicklung von Telefon, Flugzeug, Fernrohr und Mikroskop… Sind wir denn fähig, mit diesen Errungenschaften umzugehen, oder werden wir nicht viel mehr deren Sklaven?, fragt er die pubertierenden Jugendlichen.

 

An dieser Stelle höre ich die Fragen besorgter Eltern im Jahr 2012, „Wie können wir unseren Kindern helfen, dass sie ihre Freizeit nicht komplett vor dem Bildschirm verbringen?“ „Was können wir tun, dass der Bildschirm nicht abhängig macht?“ „Sollen wir uns rückwärts orientieren?“, provoziert Pater Kentenich, „die Schienen aufreißen, die Telegrafendrähte zerschneiden, die Elektrizität den Wolken überlassen …?“

 

„Nein, niemals, das wollen wir nicht, das dürfen wir nicht, das können wir nicht.“ Er ermuntert, sich vorwärts zu orientieren. Die Eroberung der Innenwelt muss Schritt halten mit dem äußeren Fortschritt durch zielbewusste Selbsterziehung.

 

Den Giganten beherrschen und nutzen

Wie aktuell diese Gedanken 100 Jahre später sind, wird mir bewusst, als ich Frank Schirrmacher in der FAZ (20.10.2011) lese im Blick auf die Welt der digitalen Medien. Er ist überzeugt, dass wir Menschen brauchen, die Dinge beherrschen, die der Computer nicht kann. Es geht eben nicht einfach um Fertigkeiten – darin ist der Computer dem Menschen immer überlegen. Der Computer besitzt aber kein Maß – er ist maßlos. Und deshalb sein Resümee: „Wir brauchen Selbsterziehung, um nicht von dem Giganten erdrückt zu werden.“

 

Nicht zum Sklaven, sondern zum Herrn der Maschine werden, bedeutet meines Erachtens zweierlei: Die Medien beherrschen UND die Medien „taufen“, das heißt sie nutzen, um die gute Sache weiterzusagen. Ein echter „Pinguin“ ist zu beidem fähig!

 

Aus: unser weg, Schönstatt Familienmagazin 2/2012

www.unserweg.com


 

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