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Führungsstil: Frauen geht's um's Miteinander!

Gertrud-Maria Ehrhard,

 

Wie führen Frauen? Können Frauen führen? Sollen Frauen führen? Wie unterscheidet sich ihr Führungsstil vom männlichen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich Pater J. Kentenich schon ab den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Wie sein Konzept zu verstehen ist in der Begegnung mit Ansätzen der Gegenwart, untersucht Gertrud Erhard in ihrem Buch: Zur sozialen Rolle der Frau. Wir bringen im folgenden einen kurzen Auszug. (S. 180-208)

 

Beim weiblichen Führungsstil handelt es sich um ein Gebiet, das in den letzten Jahren ganz neu ins Blickfeld geraten ist. Die ersten Impulse dazu kamen aus Amerika und geraten auch hier in Deutschland immer mehr in die Diskussion.

 

J. Kentenich hat diesen Themenkomplex schon früh ebenfalls erörtert.

Im Blick auf die spezifischen Erziehungs- und Führungsaufgaben in der Familie zum Beispiel thematisiert er ebenfalls die Charakteristika fraulicher Führung. Auch da, wo es sich um die Berufstätigkeit der Frau handelt, legt er besonderen Wert auf den spezifisch weiblichen Beitrag, also auch auf einen spezifisch weiblichen Führungsstil ...

 

Grundsätzlich hält er beide Geschlechter für befähigt zu Führungsaufgaben, wenn auch mit starken Akzentverschiebungen. Natürlich gilt auch hier, dass die geschlechtsspezifischen Führungsstile nicht linear den Vertretern des jeweiligen Geschlechtes zuzuordnen sind. Die Praxis wird oft genug die Verteilung mit umgekehrten Vorzeichen aufweisen. Es geht J. Kentenich immer darum, typisierte Grundakzentuierungen herauszustellen, das männliche und weibliche Prinzip ...

 

Weiblicher Führungsstil unterscheidet sich vom männlichen auf vielerlei Weise. L. Kerstiens drückt etwas davon treffend aus, wenn er ... erklärt: „Beide Geschlechter können Führungspositionen innehaben; männlich ist mehr die sachorientierte Planung, weiblich das verstehende Lenken der Menschen ...".

 

Mit dem Begriff Lenken setzt L. Penners, dem Duktus J. Kentenichs folgend, soziales Führen typisch weiblicher Prägung ab vom männlichen Leiten. Während männliches Leiten vor allem durch klare, zielbewusste schnelle Entschlüsse und Weisungen gekennzeichnet ist, so ist die Stärke fraulichen Lenkens vor allem von Lebensnähe und Personenorientiertheit geprägt. Eine Frau steht gewöhnlich in engerem Kontakt zu den Menschen, weiß um kleine und große persönlich wichtige Belange und lenkt unauffälliger durch ihr Zuhören, Abwägen und Raten.

 

Autoritätsausübung im weiblichen Führungsstil

Von der mehr traditionellen männlichen Art, Autorität auszuüben, unterscheidet sich der typisch frauliche Stil. Um diesen zu umschreiben, ist zunächst das Rollenverständnis des Managers beziehungsweise der Managerin in der jeweiligen Struktur von Interesse.

 

S. Helgesen legt dar: „In der hierarchischen Denkweise besteht das höchste Ziel darin, ‚die Spitze zu erreichen, wo die anderen einem nicht nahe kommen können". Und dies scheint offenbar in der männlichen Psyche begründet. Schon in den typischerweise von Jungen bevorzugten Spielen geht es fast immer entscheidend um das Gewinnen. G. Höhler nennt das die „männliche Siegermentalität".

Frauen dagegen fühlen sich in einer Führungsposition nicht an der Spitze, sondern im Zentrum, in der Mitte des Geschehens. Für sie geht es weniger um ein Oben und Unten als vielmehr um ein Miteinander. Das Gefühl, in der Mitte zu stehen, ist für die von S. Helgesen befragten Frauen untrennbar verknüpft mit dem Gedanken, verbunden zu sein mit den Menschen um sie herum.

 

Keine Totalidentifikation mit der Karriere

Während Männer, zumal Topmanager eine sehr hohe Identifikation mit ihrer Aufgabe erreichen, ist die Karriere für Frauen - auch in hohen Führungspositionen - nur ein Puzzleteil ihrer Identität. Sie erleben ihre persönliche Identität als komplex und facettenreich. Sie plädieren immer wieder dafür, das „Ganze des Lebens" im Blick zu behalten. Die Firma, für die sie arbeiten, ist dabei nicht „ihre Welt", wie oft bei Männern, sondern eben eine Ausschnitt ihrer Welt.

 

Während Männer am Arbeitsplatz tendenziell die „übrige Realität" entschieden ausblenden, blenden Frauen die Außenwelt immer wieder bewusst ein. Sie halten telefonischen Kontakt mit ihren Kindern, und bedenken, was daheim fehlt. Frauen geben daher auch ihrer Familie einen  breiteren Raum in ihrem Leben. C. Gaspari berichtet vom Ergebnis einer empirischen Studie, dass berufstätige Frauen mehr als doppelt so viel Zeit haben für ihre Kinder als Männer. Frauen ziehen zugunsten ihrer Familie klarere Grenzlinien, was die Beanspruchung durch die Karriere betrifft. Hier setzten weibliche und männliche Manager eindeutig unterschiedliche Prioritäten. Ganz sicher hängt die Bedeutung, die die weibliche Führerpersönlichkeit ihrer Familie beimisst, auch mit der Person- und Beziehungsorientiertheit der Frau zusammen.

 

Die Beobachtungen, die J. Kentenich zur Frage der Identifikation der Geschlechter mit der Berufsarbeit macht, sind im Kern kompatibel mit den Aussagen von G. Höhler, S. Helgesen und M. Loden. 1958 erklärt er vor einigen Ehepaaren: „Der Mann ist von Hause aus geneigt, an einer Sache zu hängen." Er erklärt, dass der Mann sehr stark hängt an seiner Tätigkeit, ob es die Berufsarbeit betrifft - er nennt als Beispiel Schreinerei und Fabrikarbeit - oder ein Hobby. „Der Mann kann sich an solche Dinge so verschenken, dass er darüber hinaus nichts mehr sieht. Eine Frau ... ist von Natur aus anders veranlagt. Sie mag noch so sehr an ihrer Arbeit ... hängen, aber von Natur aus möchte sie immer über die Arbeit hinausschauen". J. Kentenich weist dann auf die Beziehungsorientiertheit der Frau hin. Diese Dimension hat bei ihr einfach einen höheren Stellenwert.

 

Sr. Gertrud Maria Erhard
Aus: UNSER WEG, Schönstatt Familienmagazin, 1/2006
www.unserweg.com

 

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