Berufstätige Mutter © K. Glas

Kinder, Küche und Karriere? - Gedanken einer dreifachen Mutter

Nach der Geburt unseres ersten Kindes ging es mir richtig schlecht. Ich verstand mich selbst nicht. Unser Sohn war ein absolutes Wunschkind gewesen. Doch statt himmelhochjauchzend glücklich mit meinem Baby daheim zu sein, war ich unsicher und unzufrieden. Ich hatte das Gefühl, den ganzen Tag nur mit Babypflege verbringen zu müssen – selbst der Haushalt war eine einzige Überforderung. Zeit für mich selber, für meinen Mann, Freunde, Hobbys? Fehlanzeige! Gott sei Dank – dieser Zustand hielt nicht ewig an. Nach einigen Monaten hatte sich vieles eingespielt, und ich konnte die schönen Seiten des Mutterseins besser wahrnehmen und genießen. Es war wunderbar, so hautnah an der Entwicklung unseres Sohnes teilhaben zu können – jeden Tag lernte er etwas Neues dazu, und ich war froh, dass ich ihm alle Zeit und Zuwendung schenken durfte, die er brauchte. Trotzdem merkte ich immer deutlicher, dass mein Platz nicht nur zu Hause war.

 

Warum der Stress?

Als unser Sohn 15 Monate alt war, begann ich wieder, zehn Stunden pro Woche in meinem alten Beruf zu arbeiten. Die Großeltern übernahmen in dieser Zeit das Babysitten. Ein Tag pro Woche im Büro, ein paar Stunden „Kopfarbeit“ von zu Hause aus, über den PC mit der Firma vernetzt – diese Auszeiten vom Familienalltag haben mir unheimlich gut getan. Nach der Arbeit habe ich mich wieder total auf meine Familie gefreut und bin die Aufgaben daheim wieder mit neuem Schwung angegangen. Nach der Geburt unseres zweiten und dritten Kindes war ich wieder jeweils für ein gutes Jahr ganz zu Hause, um anschließend erneut ein paar Stunden pro Woche berufstätig zu sein. Warum ich mir diesen Stress antun würde, mit drei Kindern zu arbeiten, wurde ich kürzlich gefragt …

 

Wo will Gott mich haben?

Ich denke, in diesem Punkt muss jede Frau ihren eigenen Weg finden und gehen. Es ist für mich die Frage nach meiner persönlichen Berufung, nach dem Platz, an dem Gott mich haben will. Für die eine Frau ist das die Familie, für die andere das Ehrenamt, für die dritte der Job. Für mich ist es eine Mischung aus diesen drei Bereichen.

 

Ich habe gelernt, dass ich nur dann eine gute Ehefrau und Mutter sein kann, wenn ich – zumindest halbwegs – im Einklang mit mir selber bin. Und ich habe gelernt, dass eine Berufung vielfältig sein kann, mit unterschiedlichen Akzenten, je nach Lebensphase. Wenn mich heute jemand fragt, ob ich glücklich bin, kann ich aus vollem Herzen sagen: Ja!

 

N.N.
Aus: unser weg, Schönstatt Familienmagazin 1/2009

www.unserweg.com


 

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