Calmond-Klettersteig, Mosel © K. Glas

Mein erster und zweiter Beruf

Muttersein ist für mich Berufung. Mein erster Beruf ist Mutter, mein zweiter Gemeindereferentin. Mütter sind die wichtigsten Menschen im Leben der Kinder. Von ihrer Art hängt wesentlich das Gedeihen und die Entfaltung ihrer Kinder ab. "Mütter sind das erste Buch in der Bibliothek eines Kindes, das gelesen, und das letzte, das weggelegt wird" (C. Lenox Remond).

 

Trotzdem versuche ich, Familienarbeit und Berufstätigkeit miteinander zu verbinden, weil ich glaube, dass Gott mich auch in meinem Beruf braucht. Ich liebe die Arbeit mit Menschen, mit Kindern, mit Familien. Ich könnte nicht ausschließlich zu Hause bleiben. Wohl ist es manchmal ganz schön schwer, beides "hinzukriegen". Die Kleine schreit, wenn ich zum Elternabend muss. Mein Mann wird genervt, wenn er mir etwas Wichtiges sagen will und ich immer noch am Telefon hänge ... Es ist einfach so: Mein Beruf nimmt mir Zeit für die Familie und für mich selbst.

 

Herausforderung: Zeitmanagement

Es fordert mich heraus, aus meiner Zeit das Optimale zu machen. Wenn die beiden Großen um 6.30 Uhr aus dem Haus sind, bleibt mir Zeit für Stille und die Arbeit am Computer, bis ich unsere Jüngste wecke. Nach dem Mittagessen brauche ich eine kleine Pause. Wenn meine älteste Tochter nachmittags nach Hause kommt, lasse ich alles stehen und liegen, bruzzle irgend etwas und wir reden miteinander.

 

Neuerdings machen wir mit unseren Kindern "Abendoasen". Nach dem Abendessen erzählen wir im Kerzenschein Geschichten von Heiligen oder etwas zum Jahreslauf, zur Familie. Danach setzen wir uns zu den Kindern ans Bett, halten Tagesrückblick und jedes erzählt, was es heute schön oder auch schwer fand. Und alles mündet ein in ein großes "Danke". Da wir nicht fernsehen, ist es kein Problem, den Tag auf diese Weise zusammen mit unseren Kindern ausklingen zu lassen. Wenn ich mal zu müde für diese Aktion bin, kommen die Kinder zu mir ins Bett. Oft habe ich aufgrund einer Stimmbanderkrankung keine Stimme mehr. Dann erzählt mir meine Fünfjährige eine Geschichte - und ich weiß, ich darf auch müde sein. Wir Mütter müssen nicht immer toll, fröhlich und endlos belastbar sein. "Manche Mütter küssen, manche Mütter schimpfen, aber es handelt sich immer um Liebe, und die meisten Mütter küssen und schimpfen gleichzeitig" (Pearl S. Buck).

 

Was mir hilft

Was mir hilft, ist - was das Telefon anbelangt - zeitweise "offline" zu sein und gemeinsame Stunden mit meinem Mann beim Motorradfahren und Wandern zu verbringen. Bei ihm finde ich Ruhe. Was mir fehlt, ist Zeit für Hobbys. Ich würde gerne mehr Flöte spielen, Freundschaften pflegen, ins Konzert gehen. Da bleibt vieles auf der Strecke .. Aber ich werde weiter träumen und meine Träume immer wieder ein Stück wahr werden lassen. Und ich bin bereit, manches zu opfern für etwas, was in meinen Augen größer ist. Es ist wunderbar, wenn dich ein Kind umarmt und sagt: "Du bist die liebste Mama von der Welt!"

S. B.
Aus: BEGEGNUNG - Zeitschrift aus Schönstatt für Frauen, 3/2007
www.zeitschrift-begegnung.de

 


 

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