Mit dem Wohnmobil unterwegs © K. Glas

Etwas Verrücktes tun

Ella und Thomas Herkommer,


Damit der stressige Alltagstrott nicht jede Romantik in der Ehe niederwalzt, gilt es, gelegentlich auszubrechen. Man muss erfinderisch sein, um die dafür nötigen Nischen zu finden.

 

Nach einem langen stressigen Arbeitstag gönnten wir uns vor kurzem, einfach nebeneinander auf der Couch zu sitzen. Wir rückten nahe aneinander. Da wiederholte sich, was wir aus der Zeit kennen, als unsere Kinder noch klein waren. Eines unserer Kinder – inzwischen mitten in der Pubertät – kam und setzte sich zwischen uns. Wenn zwischen uns als Ehepaar ein Strom fließt, ist das nach außen spürbar. Kinder sind da besonders sensibel. Sie spüren das „Liebesfeld“ zwischen uns intuitiv und drängen sich dazwischen, denn so ein „Liebesfeld“ zwischen den Eltern tut einfach gut.

 

Arbeit bis zur Oberkante Unterlippe

Im Alltag ist es manchmal ganz schön schwierig, dieses Kraftfeld zwischen uns zu spüren, wenn der Alltag uns überspült, wenn die Nerven angespannt sind, wenn die Kinder krank sind, wenn die Arbeit an der Oberkante Unterlippe oder darüber steht ... Da kommt die Freude leicht abhanden. Wir wissen ja im Prinzip schon, dass unser Partner Qualitäten hat, dass er einmalig und wertvoll ist, dass wir ganz besondere Seiten an ihm schätzen. Wir haben ja einen guten Geschmack und ihn geheiratet.

 

Ausbrechen

Aber das wollen wir auch spüren, nicht nur wissen.

• Miteinander mal wieder Hand in Hand spazieren gehen – ohne dass ein Kind etwas von uns will.

• Mal wieder zu zweit einen Film anschauen – und sich fühlen wie in der ersten Verliebtheit.

• Mal wieder eine Spritztour mit dem Motorrad zu Freunden machen.

• Ins Thermalbad gehen und sich im warmen Wasser suhlen und gemeinsam dabei entspannen.

• Für zwei Stunden zum See radeln, wo wir, bevor wir Kinder hatten, oft den Sonnenuntergang beobachtet und von unserer gemeinsamen Zukunft geträumt haben ...

 

Plötzlich nehme ich meinen Partner wieder ganz anders wahr: Ich entdecke wieder das Leuchten in den Augen, die warme Hand auf meinem Rücken, die fröhliche, ausgelassene Art, die kraftvollen Arme, die zupacken, die kreativen Ideen: „Ich bin froh, dass ich mit dir verheiratet bin!“

 

Freude ist die Quelle der Kraft

Und plötzlich ist die Freude wieder da, dann spüren wir wieder Kraft, im Alltag was zu bewegen. „Freude ist die Quelle der Kraft“, meint Pater Kentenich. Wenn wir Freude haben, sind wir beweglicher. Die Freude aneinander lässt uns auf alle möglichen und unmöglichen Gedanken und Initiativen kommen. Auch auf verrückte Ideen. Mal wieder etwas Verrücktes tun! Für einen Tag in die Berge fahren, einen Dreitausender erklimmen und völlig erledigt am Abend wieder heimkehren, miteinander morgens im Halbdunkel mit nackten Füßen durch das Gras laufen, eiskalte Zehen bekommen, eine warme Dusche nehmen und hinterher gemütlich frühstücken, sich mal wieder von oben bis unten durchkitzeln, am Freitag Abend mit dem gemieteten Wohnmobil vor der Tür stehen, die Kinder sind bei Freunden untergebracht und die Eintrittskarten für das Musical in Hamburg sind gekauft ... Ob verrückt oder normal, Hauptsache, wir machen etwas, was uns beiden Freude macht. Es geht darum, uns als Mann und Frau wieder zu erleben und tiefe Erlebnisse zu haben, die uns verbinden. „Leben ist Bewegung“. Freude macht beweglich und gemeinsam „bewegen wir was!“

 

Aus: unser weg, Schönstatt Familienmagazin 4/2008

www.unserweg.com


 

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