Kreuz auf Franziskusweg - Thüringer Hütte, Rhön © K. Glas

Wenn nur einer von beiden glaubt - Vom Umgang mit Klippen und Chancen

Claudia Brehm,


"Es könnte so schön sein bei uns, aber mein Mann ist eben nicht gläubig!" - "Hätte ich doch einen gläubigen Mann geheiratet, dann wäre jetzt alles leichter. Komisch, dass ich mir als junge Frau dachte, das wäre nicht so wichtig." - "Das werde ich schon hinbekommen, dass er im Lauf der Zeit auch mit mir in die Kirche geht."

 

So hören wir es schon mal öfters oder sprechen es selber aus, wenn wir mit anderen Frauen zusammen sind. Aber stimmt das wirklich? Wäre tatsächlich alles besser, wenn mein Mann praktizierender Christ wäre? Ich denke, nur zu schnell sind wir in der Gefahr, zu idealisieren, indem wir christliche Ehen überhöht positiv sehen, in unserer eigenen Ehe dagegen alles unter einem negativen Vorzeichen betrachten.

 

Es stimmt: Wir haben keinen gemeinsamen Glauben, und es tut weh, Beten und Messbesuch, Schriftlesung und Nachdenken über Gott immer allein machen zu müssen, weil der Mensch, der mir am tiefsten anvertraut ist, sich nichts aus all dem macht. Aber was wir trotz allem gemeinsam haben - oder haben könnten -, ist doch eine ganze Menge. "Und darauf, auf unsere gemeinsamen Sachen wie Konzertbesuche, Lesen, Ausgehen, den Garten verschönern und so weiter, darauf konzentriere ich mich. Ich glaube nicht, dass Gott mir meinen Mann 'mies machen' möchte. Im Gegenteil: Gott möchte, dass unsere Beziehung immer besser wird." So meinte neulich Kathi, seit 15 Jahren verheiratet.

 

Die andere Seite: Wie wirken wir auf unsere Männer?

Vielleicht hilft es uns, mal auf die andere Seite zu schauen, darauf, wie unser "christliches Verhalten" auf unsere Ehemänner wirkt. Sie haben es wahrscheinlich auch nicht immer leicht mit uns.

 

Herbert erzählt: "Ich fühle mich verletzt durch die Art und Weise, wie meine Frau mir begegnet. Ich sage mit Absicht 'die Art und Weise', denn fast immer geschieht diese Ablehnung nicht auf der sprachlichen Ebene, sondern in ihrem Verhalten, in ihren Gesten. Sie ist ein wandelnder Vorwurf. Alles, was ich tue, ist falsch, besonders, wenn wir irgendwo hingehen, um Geselligkeit und Spaß zu erleben. Oder wenn ich vorschlage, uns mit Leuten zu treffen, die ihr nicht gut genug sind."

Karl ergänzt: "Es ist nicht das, was sie sagt, es ist ihr Blick, zum Beispiel wenn sie meine Bierflasche wegräumt oder den Aschenbecher leert. Sie benimmt sich, als seien diese Dinge mit einer ansteckenden Krankheit infiziert." Auf die Frage: "Haben Sie mit Ihrer Frau schon mal darüber gesprochen?" winkt er ab und meint: "Nee, da bekomme ich nur einen Vortrag über die Gefahren des Trinkens und Rauchens. Dann ist die erholsame Stimmung, die ich gesucht habe, gleich wieder weg. Da gehe ich lieber zu meinen Freunden in die Kneipe, da herrscht wenigstens gute Stimmung."

 

Oft gibt es schon im Vorfeld religiöser Fragen Verhaltensweisen, die uns gegenseitig stören, auch wenn sie gar nicht in direktem Zusammenhang mit Glaubensfragen stehen. Keines dieser Paare ereifert oder ärgert sich über irgendwelche Glaubenssätze. Es ist die Art und Weise der Begegnung, die nicht stimmt, der persönliche Umgang miteinander, der überlagert ist von unausgesprochenen gegenseitigen Erwartungen, Vorwürfen und Peinlichkeiten.

Wenn wir "mann" Predigten halten über Nebensächlichkeiten, tragen wir dazu bei, dass er sich von uns und von Gott entfremdet. Sollten wir deshalb nicht mehr Wert darauf legen, ihn nicht bloßzustellen und uns selbst nicht für etwas Besseres zu halten?

 

Achtung und Respekt sind wichtiger als alle Unterschiede

Jesus ist da ein gutes Beispiel. Er war als "Freund der Zöllner und Sünder" (Mt 11,19) mitten im "Getümmel". Trotzdem kannten diese Leute seine Einstellung, er hielt mit ihr nicht hinterm Berg. Doch er schaffte den Spagat-Akt, seine Meinung klar und deutlich, aber in Liebe und Demut zu sagen. Nicht mit ärgerlichem Unterton und von oben herab, sondern so, dass der andere spürte: Zuerst einmal liebt mich dieser Jesus. Und weil ihm an mir liegt, deshalb sagt er auch das, was mir nicht so gefällt. Aber diese Kritik oder Wegweisung kann ich annehmen, weil ich mein Gesicht dabei nicht verliere.

 

Treten wir also nicht als "wandelnder Vorwurf" auf, der unserem Ehemann vermittelt: "Ich habe ein schweres Kreuz zu tragen, weil du nicht gläubig bist!" Wenn wir das auch nicht so sagen, innerlich aber davon überzeugt sind, so wird sich dieses Denken früher oder später auch in unserm Tun und Reden zeigen. Ein Ehemann, sei er gläubig oder nicht, darf von seiner Frau erwarten, dass sie gut von ihm spricht und ihn bei ihren "christlichen" Freundinnen nicht heruntermacht. Ob er "christlich" ist oder nicht, wenn das Gespräch auf den Ehemann kommt, sollten immer seine guten Eigenschaften im Vordergrund stehen, nicht das Problem, dass er nicht gläubig ist.

Wenn es auch schwer fällt, die "unreligiösen" Ansichten und Handlungsweisen des Ehemannes zu respektieren, was wir immer leisten müssen, ist, ihn als Person zu achten. Zu viele "christliche" Ehefrauen vermitteln ihren Männern den Eindruck, sie seien "Männer zweiter Klasse". Wollten Sie mit jemandem zusammenleben, der in Ihnen nur eine "Frau zweiter Klasse" sieht?

 

"Ich hatte einen Überheblichkeitskomplex, nicht einen Minderwertigkeitskomplex", gibt Erika ganz ehrlich zu. "Als ich einmal ins Büro meines Mannes kam, war ich total überrascht, welche Hochachtung und Zuneigung seine Angestellten ihm entgegenbrachten. Es lief mir kalt den Rücken hinunter, als ich merkte, wie hart er arbeitete und wie freundlich und zuvorkommend er dabei war. Man merkte seinen Mitarbeitern einfach an, wie wohl sie sich in dem guten Betriebsklima fühlten. Auf der Heimfahrt weinte ich. Wie oft hatte ich zu Hause die Atmosphäre durch meine negative Haltung vermiest. Und dabei konnte er ja nichts dafür; er war weder ein schlechter Ehemann, noch ein schlechter Vater. Es waren nur seine Ansichten. Genauer gesagt, es fuchste mich, dass er nicht mit mir in die Kirche kam, so wie der Mann meiner Freundin es tat. Ich habe mich dann bei ihm entschuldigt, und er hat mich in die Arme genommen. Seither geht es uns viel besser. Nun konzentriere ich mich darauf, eine liebevolle Ehefrau zu werden, die ihren Mann respektiert und in deren Gemeinschaft er sich wohl fühlt. Wie soll er die Liebe Gottes irgendwann einmal spüren, wenn er nicht zuerst meine echte Liebe spürt?!"

 

Hilfe im Gebet finden, aber Gott die Entscheidung überlassen

Es ist schön, dass wir als Hilfe das Gebet haben, wo wir unsere Enttäuschung immer wieder Gott hinhalten können. Aber auch hier sollten wir nicht engstirnig nur um die "Bekehrung" unseres Mannes beten oder der Versuchung erliegen, Gott Vorschriften machen zu wollen. Ist es nicht seine Sache, wann und ob er unseren Mann zum Glauben finden lässt und wen er als "Mittel zur Bekehrung" benützt?

Vielleicht bitten wir einfach, dass wir unserem Mann eine gute Ehefrau sein können, die ihn so sehen lernt, wie Gott ihn gedacht hat, die sich an seinen positiven Zügen freut (diese werden dann nämlich noch stärker hervortreten), und die ihrem Mann durch viele kleine Zeichen zu verstehen gibt, dass sie ihn liebt und schätzt.

 

Mit einem neidischen Auge auf die christlichen Nachbarn - haben wir das nötig?

Und schauen wir nicht mit neidischen Augen auf die sogenannten "christlichen" Ehen. In einer solch intimen Gemeinschaft wie der Ehe, wo man auf engstem Raum zusammenlebt und miteinander auskommen muss, ist es doch ganz klar, dass sich auf Grund der verschiedenen Persönlichkeiten und Herkunftsgeschichten Probleme ergeben. Und oft sind es nicht nur Probleme, sondern regelrechte Krisen. Damit haben "christliche" Ehen ebenso zu kämpfen wie andere Ehen. Auch wenn beide Partner Christen sind, ist ihre Art, Religion auszudrücken und zu leben, oft grundverschieden. "Frauen glauben anders", das ist nicht nur ein Buchtitel, sondern Realität. Auch hier ist ein hohes Maß an Toleranz und gegenseitigem Verständnis gefordert, um dem Partner nicht die eigene Frömmigkeitsform aufzudrängen, sondern seine zu achten. Und es kann durchaus Zeiten geben, in denen wir in unserem Glaubensleben so verschieden sind, dass jeder ein Stück Weg alleine gehen muss.

 

Margot erzählt zum Beispiel: "Schon in unserer Freundschaftszeit lernten wir, miteinander zu beten; es war so schön. Niemals hätte ich gedacht, dass genau das Gebetsleben in unserer Ehe schwierig werden würde. Heute beten wir nur noch zusammen mit den Kindern. Jeder hat einen so eigengeprägten Stil, dass wir beide nichts davon haben, wenn wir zusammen beten. Zuerst war ich furchtbar enttäuscht und dachte ständig über Möglichkeiten nach, wie sich das ändern ließe. Inzwischen freuen wir uns, dass wir im normalen Gespräch so gut miteinander zurechtkommen, und ich denke, daraus wird irgendwann mal wieder eine Zeit kommen, in der wir auch einen gemeinsamen Gebetsstil entwickeln können."

 

Knoten lösen, Netze knüpfen

Was werden wir noch alles erleben, und wie viele Möglichkeiten haben wir, unser Eheleben reich werden zu lassen für uns beide, auch wenn nur einer von uns Christ ist.

Mir ist in diesem Zusammenhang "Maria als Knotenlöserin" sehr lieb geworden. Maria kennt meine "Knoten", und sie wird sie auf ihre Weise lösen. Auf ihre Weise, das heißt: auf die beste Weise, wenn sicher auch nicht so, wie ich es mir denke. Oft dauert es lange, bis so ein Knoten "entkniffelt" ist; die Zeit will ich ihr lassen. Aber in der Zwischenzeit kann ich mich ja schon mal daran machen, ein Netz der Liebe zu knüpfen.

 

Claudia Brehm
Aus: BEGEGNUNG - Zeitschrift aus Schönstatt für Frauen
www.zeitschrift-begegnung.de

 

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