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Gell, Sie hat die Pubertätskrankheit?

Wenn unsere heute 17jährige Tochter zu Beginn der Pubertät mal wieder mit uns Eltern schimpfte und die Tür zuknallte, meinte unsere Jüngste manchmal: „Gell, die Pia hat die Pubertätskrankheit!" Amanda (11), ein Papa-Kind, ist heute selber mit dieser eigentümlichen Krankheit infiziert: der bisher liebe Papa ist mittlerweile doof, der Messdienerunterricht langweilig und die beste Freundin nur noch zickig. Wie sie ihren älteren Bruder Lukas (13) tituliert, mag ich hier lieber nicht mitteilen.

Als unsere Kinder nach der Reihe in die Pubertät kamen, habe ich das als Vater immer als etwas Krisenhaftes erlebt:

Pia, die sich wenige Wochen zuvor noch rosa Mädchen-Lego zum Geburtstag wünschte, räumt an einem wettertrüben Tag alle Legosteine in eine Kiste und stellt sie auf den Dachboden. Ihrer jüngeren Schwester schenkt sie ihre Barbies. Allen Kinderkram will sie los werden. Irgendwann werden die Möbel in ihrem Zimmer an einen anderen Platz verschoben - seitdem kommt man alle paar Wochen in ein neu eingerichtetes Zimmer.
Lukas, jahrelang eingefleischter „Bayern München"-Fan, nimmt mir den Bayern-Schal aus der Hand und raunzt mich an, ob ich nicht mitgekriegt hätte, dass er jetzt auf „Eintracht Frankfurt" stünde. Bislang konnten seine Haare nicht kurz genug sein, aber seit einigen Wochen scheint es cool zu sein, sich eine Matte wachsen zu lassen. Aus dem abgeschlossenen Zimmer dröhnt laute Musik von den „Ärzten". Immer wieder übt er auf seinem Schlagzeug den gleichen Song - bis alles so klingt wie auf der CD der Musikgruppe, die sich humorvoll die „beste band der welt" nennt.
Amanda bearbeitet mich so lange - eine persönlich gestaltete Postkarte erweicht mein Herz - bis ich nachgebe: jetzt haben wir seit einem Jahr einen Kater, der "Findus" heißt, aber nur „Gullu" gerufen wird. Papa und Mama dürfen natürlich nur nach lautem Klopfen ins Kinder- und Katzen-Zimmer. Man weiß schließlich nie, welche Gefahren hinter einer Tür lauern, an der einerseits ein Schild mahnt „Eintritt verboten", andererseits ein süßer Kater auf einem Photo maunzt: „Besuch mich mal!"

 

Immer wieder besprechen meine Frau und ich beim Spaziergang, was wir in der Erziehung falsch und was wir anders und besser machen können. Wir erinnern einander an den Spruch, den Josef Kentenich von Don Bosco übernommen hatte:  

Erzieher sind Liebende, die nie von ihrer Liebe lassen!

Aus diesem Grund
- betet meine Frau jeden Morgen mit unseren Kindern während der kurzen Autofahrt
  auf dem Weg zum Bahnhof. Und alle machen ohne Murren mit!

- suchen wir immer wieder das Einzelgespräch mit unseren Kindern, wenn uns der
  Zeitpunkt günstig erscheint.

- laden wir zum gemeinsamen Kirchgang ein, und auch zum Radfahren oder Laufen.


Bei allem Stress und Streit, den man in der Familie erlebt, tut es gut, auch Gutes von den Kindern zu hören. So geschehen am Muttertag. Pia schrieb in großen, bunten Lettern auf ein Blatt Papier: „Wir können echt glücklich sein eine so humorvolle, meist lockere Mutter zu haben, die nur manchmal mit uns schimpft. Danke, dass Du immer für mich da warst und bist!"

F.S.

 

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