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Der Himmel ist in Dir

Regina Hartmann,

 

Auch unser Leib ist ein heiliger Ort.

Ein Spruch von Angelus Silesius spricht mich schon lange an: „Halt an, wo läufst Du hin, der Himmel ist in Dir. Suchst Du Gott anderswo, du fehlst ihn für und für.“ Der Himmel ist in mir, in meinem Herzen kann ich Gott begegnen. Mich berührt der Gedanke, dass es auch mein Körper ist, durch den Gott sich ausdrücken möchte. Wir Menschen sind ja geschaffen als sein Ebenbild.

 

Wohnstätte Gottes

Da stellt sich mir schon immer wieder die Frage: Wie gehe ich eigentlich mit meinem Körper um? Ist mein Leib nicht auch ein „Heiliger Ort“, auf den ich achten muss, den zu pflegen und gesund zu erhalten ich geradezu verpflichtet bin? Teresa von Avila sagt: „Tu deinem Leib etwas Gutes, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen.“ Chiara Lubich, die Gründerin der Fokolarbewegung, hat bis ins hohe Alter sehr viel Wert auf ein gepflegtes Äußeres gelegt und das genau damit begründet: Jeder Mensch ist eine Wohnstätte Gottes. Und wie wir einen Altar schmücken, so dürfen wir auch auf uns selbst Wert legen.

 

Diese Wertschätzung des Körpers berührt für mich zum Beispiel auch die Frage, wie ich mich und meine Familie ernähren möchte. Vor kurzem war bei uns eine Familie zu Besuch, die daheim eine ökologische Landwirtschaft betreibt. Sie erzählten, wie sie dazu kamen, den Betrieb umzustellen: „Wir haben überlegt und eingesehen, dass nur in einem lebendigen Boden, der nicht durch künstlichen Dünger und Ausbeutung zerstört wird, auch lebendige Lebensmittel wachsen können. Und wenn wir lebendige Menschen sein wollen, müssen wir auch lebendige Nahrungsmittel zu uns nehmen. Das sind wir uns wert.“

 

Achtsamkeit

Wichtig ist dabei, glaube ich, unsere Grundhaltung. Wenn ich mich gepflegt kleide oder schminke, wenn ich Wert auf eine einigermaßen annehmbare Figur lege und mir das eine oder andere Mal die Schokolade verkneife und auch hin und wieder Sport mache, mach ich das dann, um andere Menschen zu beeindrucken oder weil ich mich als ein von Gott geliebtes Kind fühle, das achtsam mit der Gabe des eigenen Körpers umgehen möchte?

 

Es ist gut, dass unsere Kirche inzwischen die Einheit von Körper, Geist und Seele sieht und anerkennt. Denn für alle drei bin ich eingeladen, achtsam zu sein, in mich hinein zu hören und zu spüren, was mir gut tut, wo ich wachsen darf und wie ich Gott immer näher kommen kann – und er mir.

 

„Denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr“, können wir im 1. Korintherbrief lesen. Ja, wir sind als Menschen alle Heilige Orte.

 

Aus: unser weg, Schönstatt Familienmagazin 2/2012

www.unserweg.com


 

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