Komet Hale-Bopp © Adolf Riess / pixelio.de

"Holder Knab´ im lockigen Haar"

 

Zur Geschichte von Jesus in der Krippe und dem historischen „Stern von Bethlehem“

 

Das typische „Weihnachtsbild“ ist den Menschen im „christlichen“ Europa von Kindesbeinen an vertraut: Jesus in der Krippe, Maria kniet daneben und der heilige Joseph steht ein wenig unsortiert dabei, Ochs und Esel duften sicherlich ein wenig nach Landluft, was aber keinen stört, die frohen Hirten umringen die heilige Familie, die in einem Stall dem neugeborenen Gotteskind mit dem Heiligenschein in der Krippe ihren Begrüßungsbesuch abstatten. Die Figuren sind handgeschnitzt und der Stall ist nach dem Typus „Südtirol“ geschneidert, die Engel bilden eine fliegende Girlande und tragen ein Spruchband mit der Schrift: „Ehre sei Gott in der Höhe….“

 

Und dann trifft endlich am 6. Januar die Karawane aus dem Orient ein mit den „Heiligen Drei Königen“, geleitet vom „Stern von Behlehem“ - ein wenig verspätet, weil der böse König Herodes die drei ein wenig in Jerusalem „ausgequetscht“ hatte, aber natürlich noch rechtzeitig : “Holder Knab´ im lockigen Haar!“ und „mitten im kalten Winter…“

Die Menschen in der Antike und im Mittelalter dachten in Bildern und literarischen Motiven und haben die Details, die im Matthäus- und im Lukasevangelium zu finden waren, zusammengefasst zu einem Gesamtgemälde, das in unsere winterliche und europäische Tannenbaum-Landschaft transponiert wird. Die allererste nachgebaute Krippe hat wahrscheinlich der heilige Franziskus von Assisi aufstellen lassen. Schauen wir uns doch diese idyllische „Bild“ ein wenig genauer an! Alles nur Märchen und Legenden!, wird immer wieder von kritischen ZeitgenossInnen gesagt. Aber die Menschen der Antike und des Mittelalters dachten in uns inzwischen fremd- und unbekannt-gewordenen Symbolbildern und Bedeutungszusammenhängen und Begriffen.

 

Wenn wir die alten Texte in Mt 1-2 und Lk 2 und ihre Rezeption in der Volksfrömmigkeit verstehen wollen, müssen wir heute fragen: was wollten sie damals aussagen und: was hörten und sahen die Leute damals. Ein einzelnes Motiv möchte ich herausgreifen, weil uns die alten und modernen Physiker und Exegeten hochinteressante wissenschaftliche Forschungsergebnisse zum Kind in der Krippe präsentieren können, wie Prof. Lesch in seiner bekannten und populären Fernsehsendung „Leschs Kosmos“ zum sog. „Stern von Bethlehem“: Jesus muss noch zu Lebzeiten des von den Römern eingesetzten König Herodes des Großen geboren worden sein, der 4 v.Chr. gestorben ist. Im Jahre 7 v.Chr. ereignete sich eine spektakuläre Konjunktion von Jupiter und Saturn. Die Menschen damals dachten, dass am Himmel die zentralen weltlichen Ereignisse wie in einem Himmelspiegel zu sehen seien: Jupiter ist der Königsstern, Saturn ist der Stern, der das Westland Israel repräsentiert. Auf babylonischen Keilschrifttexte wird von ebendieser Konjunktion berichtet: hier, in Babylon, könnten die astronomischen Spezialisten, die auch Astrologen waren, den Himmel studiert haben: die „Weisen aus dem Morgenland“ (es wird nie von dreien geschrieben!) kommen, will der Evangelist Matthäus sagen, als Repräsentanten der ausländischen – heidnischen Völkerschaften zum neugeborenen Himmelkönig und bringen Gold (das Zeichen des Königs), Weihrauch (Zeichen für die Hohepriesterfunktion des Messias) und Myrrhe (Zeichen für die heilende Aufgabe des Messias): da sie drei Geschenke mitbringen, müssen es natürlich drei gewesen sein...später werden aus diesen „magoi“, wie sie Mt nennt (also: astronomische-astrologische Sternforscher, weise und kluge Leute) prunkvoll angezogene „Könige“, in den Mosaiken von Ravenna tragen die drei noch die antiken sog. „phrygischen Mützen“, die ikonographisch sagen, dass sie aus dem Orient stammen.

 

Die im Jahre 7 v.Chr. stattfindenden Sternkonjunktionen hatte im Jahre 1603 erstmals der berühmte Astronom Johannes Kepler nachentdeckt, denn die Planetenbewegungen vollziehen sich in festen Bahnen: dreimal „konjugierten“ Jupiter und Saturn – Frühjahr, im Sommer und im Spätherbst des Jahres 7 v.Chr.! Ein Zeichen des Himmels!

 

Wer sich dafür mehr interessieren sollte, mag zunächst noch einmal gründlich die Texte bei Mt und Lk studieren. Wer selbst „mitforschen“ und die neuesten Forschungsergebnisse der Fachleute zu diesem Thema nachlesen will, kann das tun in den beiden Heften, die vom Katholischen Bibelwerk herausgegeben worden sind: „Welt und Umwelt der Bibel“, Hefte 4/2007 und 4/2010; weitere Fachliteratur und Informationen auch unter www.weltundumweltderbibel.de, unter katholisch.de oder unter evangelisch.de oder in speziellen Artikeln, wie „Stern von Bethlehem“ bei Wikipedia.

 

Thomas Maria Handrick
(Pastoralreferent Pfarrgruppe Mainspitze)


 

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