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Männerkirche? Warnung vor einer Feminisierung der Kirche


Auch wenn die Kirche von Männern geleitet wird, sind es in der Mehrzahl Frauen, die das Leben in der Kirche gestalten. Doch das ist nur die eine Seite. Kirche lebt von den Begabungen von Frauen und Männern.

 

Kerzen und Tücher, Schere, Stifte und Tonpapier, ruhig werden, zur Mitte finden, sagen, was in mir vorgeht – mit diesen Zu - taten könnte ein Rezept beginnen, um Männer aus einer Veranstaltung zu treiben. Sorry, ich bin selber ein Mann und ich habe trotzdem schon oft mit diesen Zutaten „gestaltet“ (auch so ein weiblich klingender Ausdruck). Sicher: Wenn man mit Familien arbeitet, mit Eltern und Kindern verschiedenen Alters, dann geben diese Mittel gute Möglichkeiten, etwas miteinander zu tun. Aber ich habe immer mehr den Eindruck, dass die Väter das den Kindern und Müttern zuliebe machen. Eigentlich ist das nicht ihr Ding.

 

Typisch Frau – typisch Mann?

Meist sind es die Frauen, die Liturgie gestalten (auch wenn Männer sie dann leiten), die den Raum für eine Tagung herrichten, Tischschmuck, die Mitte und etwas zum Mitnehmen vorbereiten. Die Männer reißen sich nicht darum, also sind sie selber schuld. Und die Frauen haben ja auch meist mehr Sinn dafür und denken nicht so furchtbar praktisch („Das reicht doch so, die Namensschilder kann man ohne Verzierung viel besser lesen, die Kerzen machen Arbeit und die Blumen verwelken ja doch…“).

 

Keine Sorge, ich will keine „typisch weiblich, typisch männlich“-Diskussion anzetteln. Ich habe nur den Eindruck, dass es gut tut, mal auf das zu achten, was Männer anspricht. Und zu den Männern möchte ich gerne sagen: Es macht Spaß, selbst in das Design eines Raumes, in die Visualisierung einer Thematik einzusteigen oder bei der Kinderbetreuung etwas für die Jungs zu planen, was auch manches Mädchen begeistert begrüßt.

 

Planschbecken und Krippenbau

In unserer Pfarrei bereiten wir zweimal im Jahr mit einer Gruppe von Vätern einen Familiengottesdienst vor. Dieser Kreis trifft sich abends, wir lassen uns Zeit und sprechen das Thema erst mal für uns durch. Manch - mal brauchen wir einen zweiten Abend. Einmal kam ein Vater sehr lustig nach Hause, weil wir das natürlich nicht trocken machen. Es sind gediegene Männerabende, diese Vorbereitungstreffen. In den Gottesdiensten tauchen dann auch mal große Spieltraktoren auf (Erntedank), oder in einem Planschbecken stürzt ein playmobil-Haus auf einem Kieshügel ein (Das Haus auf Sand und das Haus auf Fels). Oder eine Statue wird herumgeschleppt. Es geht nicht um action, sondern um Hinführung. Aber eben mit etwas handfesteren Mitteln. Und wir finden es wichtig, dass die Kinder auch ihre Väter als Akteure in der Kirche erleben.

 

Vor einigen Wochen haben wir, gemeinsam mit den Kindern, wieder die Krippe aufgebaut. Als Opa darf ich auch noch mitmachen. Die jungen Väter, die da anpacken, sehe ich nicht alle regelmäßig, manchmal nur an Weihnachten in der Kirche. Aber hier sind sie jedes Jahr dabei und tüfteln aus: Wie machen wir es diesmal? Wie kaschieren wir den gebrochenen Arm vom Hirten? Machen wir Schwarzwald oder wieder Wüstenlandschaft? Der Stall als Zelt? Warum funktioniert die Lichterkette nicht? Und dann kommen sie natürlich auch mit ihren Kindern, um die Krippe anzuschauen.

 

Männer herausfordern

Die Männer sind in großen Runden meist zurückhaltend. Aber wenn wir in der Vorstellungsrunde mit Heißkleber, Hammer, Nägel und Stichsäge arbeiten oder Styropor schneiden, wenn konstruiert werden soll, eine Brücke, ein Haus – diese Herausforderungen nehmen sie gerne an. Auf einer Freizeit berichteten Kinder noch lange von einem großen Wikingerschiff, das eigentlich mal ein Autoanhänger war. Und die Männer am Feuer haben immer Gesellschaft von ein paar kleinen Feuer-Fans.

 

Vater-Kind-Wochenenden tauchen immer häufiger in den Veranstaltungskalendern von Gemeinden und Diözesen auf. Manchmal werden die Väter von den Müttern gedrängt, da mal mitzumachen. Aber auch dann gestehen die Männer immer ein, dass es ihnen gut getan hat, mit ihren Kindern oder einem einzelnen Kind etwas allein zu machen. Dann sind auch miteinander andere Formen von Liturgie möglich, etwa ein gegenseitiger Segen von Vater und Kind, diskret und allein in einer Ecke der Kirche oder allein in der Kapelle. Das geht nicht immer einfach, aber es geht: Wenn wir diese Einladung für Vater und Kind ausgesprochen haben, wurde sie immer von allen angenommen.

 

Marianische Kirche

Die Kirche wird von Männern geleitetet und weithin von Frauen geprägt. Gott sei gedankt, dass sie mütterlich für Atmosphäre sorgen! Mit einander können wir darauf achten, dass die Väter, die Männer in dieser Prägung nicht verschwinden. So stelle ich mir eine marianische Kirche vor. Maria hätte die Krüge bei der Hochzeit von Kana nicht allein schleppen können. Aber die Diener wären nicht auf die Idee gekommen, dass es noch eine Möglichkeit gibt …

 

Klaus Heizmann

Aus: unser weg, Schönstatt Familienmagazin 1/2011

www.unserweg.com


 

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