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Typisch, alltäglich, eigentlich banal: Man(n) trifft sich nach längerer Zeit. Folgender Dialog entspinnt sich: „Na, wie geht es so?“ „Ja, läuft ganz gut!“ „Privat, beruflich, alles in Ordnung?“ „Kann nicht klagen, soweit alles im grünen Bereich“ „Und Pläne für die Zukunft“ „Ja, mal schauen … und bei dir?“ Hand aufs Herz: Solche Gespräche sind nicht einmal so selten unter uns Männern. Klar doch: Eigentlich habe ich im Moment keine Lust, dem anderen Mann mehr von mir zu erzählen. Und gehe irgendwie davon aus, dass mein Gesprächspartner in dieser Situation auch nicht unbedingt mehr von mir erfahren will.

 

 „Es läuft ganz gut!“. Manchmal ist dieser Satz allerdings dann doch noch etwas mehr als eine bloß ausweichende Floskel. Weil dahinter – so vermute ich – bewusst oder unbewusst ein suchendes Fragen bei uns Männern aufscheint: Welche Perspektiven und Sehnsüchte habe ich für mein Leben? Bin ich wirklich auf dem richtigen Weg? Was möchte ich in Zukunft anpacken und bewegen? Wofür und wozu fühle ich mich eigentlich gesandt?

 

Die Fastenzeit und der Aschermittwoch als ihr Beginn sind im Christentum traditionell eine gute Zeit, diese Fragen zuzulassen und zu bedenken. Dies gilt sicherlich, wenn ich in einer akuten Krisensituation bin und mich neu orientieren muss. Aber es gilt genauso, wenn „es gut läuft“, wenn „alles im grünen Bereich“ ist. Klar ist: Ich kann mich diesen Fragen alleine stellen. Männer machen das so, oder? Ich kann mir auch Unterstützung und Begleitung dafür holen. Ich kann mir einen Coach suchen. Ein guter Freund könnte das sein, mit dem ich in dieser Fastenzeit  bewusst einen intensiveren Kontakt suche, weil die Begegnung und das Gespräch mit ihm eine andere Qualität hat als das oben Beschriebene.

 

Übrigens: Ein solcher Coach ist für mich auch der Apostel Paulus. Für ihn „lief es gut“, als Schüler eines angesehenen Rabbis lag für ihn „alles im grünen Bereich“. Und dann macht er eine umstürzende Erfahrung, die sein Leben komplett umkrempelt, ihn seinen Weg und seine Sendung von Grund auf neu begreifen lässt. So kann er in der in heutigen zweiten Lesung sagen: „Wir sind Gesandte an Christ statt“.

 

Die Apostelgeschichte erzählt, dass Paulus unterwegs auf der Straße ist, als er diese umstürzende Erfahrung macht. Nicht zu Hause im stillen Kämmerlein also, nicht im Tempel, nicht in der Synagoge beim Lehrgespräch passiert es. Paulus ist auf dem Weg von Jerusalem nach Damaskus, auf einer Straße, die ihm gut vertraut sein musste.

 

Mein Vorschlag für heute: Nehmen Sie sich eine Stunde Zeit, gehen Sie ein Stück einer vertrauten Straße. Vielleicht ist es die Straße, auf der Sie täglich zur Arbeit fahren, Ihre Kinder in den Kindergarten bringen, zum Sport fahren … Gehen Sie diese Straße, nach Möglichkeit in der Abenddämmerung mit dem Wechselspiel von Licht, Schatten und Dunkelheit. Seien Sie aufmerksam für das, was Sie an Vertrautem wahrnehmen und an Neuem entdecken. Achten Sie darauf, wem Sie begegnen. Wenn Sie wieder zuhause sind, gönnen Sie sich eine Zeit der Stille, um den Weg nachklingen zu lassen. Und: Legen Sie für die gesamte Zeit Ihr Handy weg. Seien Sie offline für die digitale Welt, seien Sie online mit sich selber!

 

Zum Nachlesen: 2. Brief an die Korinther 5, 20 – 6, 2

 

Andreas Ruffing


 

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