Alojs Andritzki © Bistum Dresden-Meißen

... nicht nur...Hunderte bunte Papierflieger in der Hofkirche zu Dresden


"Wenn sich die Zeiten wieder normalisieren, dann möchte ich das Reich Gottes als Flieger in alle Enden der Welt tragen!" (Alojs Andricki)

 

Mehr als 10 000 Menschen feiern die Seligsprechung des Sorben und Märtyrers Alojs Andricki
auf dem Platz vor der Hofkirche in Dresden

 

A.A. wird am 2.7.1914 in Radibor bei Bautzen geboren. Nach dem Abi in Bautzen studiert er Theologie in Paderborn und wird 1939 im St. Petri-Dom zu Bautzen zum Priester geweiht. Seine erste und einzige Kaplanstelle tritt er an der Hofkirche zu Dresden St. Trinitatis an.

„In ein paar Jahren werden wir doch alle auf die Guillotine geschafft. Der Kampf geht bis aufs Messer…Das sind nur Vorspiele…“ Diese Worte werden A.A. zum Verhängnis; er muss sich bei der Gestapo melden und kommt in U-Haft. Bekannt wird auch, dass er polnischen Zwangsarbeitern die Sakramente gespendet hat: Alojs hatte in seinem Urlaub extra die polnische Sprache erlernt! Der Oberstaatsanwalt beim Landgericht Dresden schreibt am 4.4.1941: „Vorstehend bezeichnete Person ist rechtskräftig verurteilt worden: am 15.07.1941… wegen : staatsfeindlicher Äußerungen auf Grund von: § 2 Abs. 2 des Heimtücke-Gesetzes vom 20.12.1934 zu: 6 – sechs – Mon. UH. Angerechnet. Bemerkungen: verbüßt am 15.08.1941.“

A.A. kommt allerdings nicht mehr frei und wird am 10.10.1941 ins Konzentrationslager Dachau eingeliefert.

Mehr als 200 000 Menschen inhaftieren die Nazis im KL Dachau, von denen über 41 500 sterben; unter ihnen sind 2770 Geistliche (2529 kath., 109 evang.), 1034 von ihnen sterben (darunter 94 dt. und 866 poln.).

Der Sportler A.A. turnt abends ins Barackenbett im 4. Stock; der Künstler A.A. malt für die Lagerkapelle im Priesterblock 26 ein schlichtes Weihnachtsbild. Nach Weihnachten 1942 erkrankt auch A.A. an Hungertyphus und kommt, gemeinsam mit seinem Freund Hermann Scheipers, ins Krankenrevier. Am 3.2.1943 erhält er anstatt der erbetenen Sakramente die Todesspritze. Sein Freund Hermann Scheipers überlebt und gerät nach dem Krieg in Konflikt mit dem DDR-System.

 

Ich werd´ nie vergessen, wie der fast 98 Jahre alte greise Priester während der Vesperfeier in der Dresdener Hofkirche in einem ergreifenden Bericht von seinem Freund Alojs erzählt: „Hermann, lass uns zusammenbleiben!“, hatte Alojs seinem Freund bei der Einlieferung ins Krankenrevier noch zurufen können – wie hat sich dieser Zuruf – allerdings ganz anders als erwartet - bestätigt!

Nach dem Gottesdienst kann ich den humorvollen Hermann Scheipers noch persönlich kennenlernen: ein zierliches zartes Energiebündel mit strahlenden Augen und einem herzhaften Lachen, der seine Botschaft vom „Flieger“ Alojs mitgebracht hatte..

 

Und dann war da noch die Aktion mit dem plötzlichen Durchstarten von hunderten von Papierfliegern mitten in der Andricki-Vesper in der ehrwürdigen Hofkirche in Dresden unter den Klängen der wunderbaren Silbermannorgel, auf der auch der musikalische Alojs Andricki gespielt hatte - viele haben vor Freude frei und herzlich losgelacht oder vor Rührung geweint...eine einfache, geniale und verrückte Idee und der selige Alojs Andricki und seine evangelischen und sorbischen und deutschen und jüdischen und tsiganischen und alle anderen HimmelsfreundInnen werden daran ihre helle Freude gehabt haben...der nach der Zerstörung in der schrecklichen Bombennacht vom 13. Februar 1945 wieder errichtete barocke Himmel von St. Trinitatis voller bunter Papierflieger…

Natürlich blieb am Ende der Vesper ein Flieger in einer Ecke übrig, den keiner mehr wollte, und den ließ ich mir dann vom dienstältesten „Flieger im Gottesreich“ Hermann Scheipers signieren … er möge noch viele Jahre so weiterlachen und weiterfliegen...

 

Thomas Maria Handrick Cesla Radwor

Bautzen-Radwor, 15.06.2011
 

Wer sich für den „Flieger Gottes“ interessiert, findet hier weitere Informationen:

http://www.kaplan-andricki.de/ bzw. www.kaplan-andritzki.de (mehrsprachig)

 

Der MDR hat zur Seligsprechung am 13. Juni ein recht umfangreiches Dossier mit

TV-Dokumentationen und Radio-Mitschnitten zusammengetragen

Die Website des Bistums Dresden-Meißen bietet einen eigenen Teil zu Alojs Andritzki, Materialien zur Biographie und Texte aus vielen seiner Briefe für Jugendgruppenstunden und Gottesdienste u.a.m.

Tag des Herrn - Spezial. Selig werden. Sonderausgabe für das Bistum Dresden-Meißen Mai 2011 Seligsprechung Alojs Andritzki (St.Benno-Verlag Leipzig)

Alojs Andritzki, Briefe, hrsg. von Pfarrer Stephan Delan (Katholisches Pfarramt Radibor 2011), ISBN 978-80-7323-219-1

Alojs Andritzki. Ein Lebensbild, hrsg. v. Benno Schäffel
(St.Benno-Verlag Leipzig 2011), ISBN 978-3-7462-3063-4


 

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