Foto: Pixabay.com

Reisebegleiter

20.07.2026


Schon seit Tagen steht der Koffer im Flur. Bislang ist er nur zur Hälfte fertig. Zwischen Badehose, Buch und Sonnencreme einpacken war noch so viel zu tun. Dabei die Sehnsucht: Endlich rauskommen, keine Termine, keine Erwartungen. Einfach weg.

Als er im Flugzeug sitzt und es losfliegt, scheint alles leicht. Als hätte er den „Pause“-Knopf gefunden und gedrückt. Der Flug geht Richtung Meer. Dahin, wo das Wasser türkis ist und niemand ihn kennt.

Wie sehr genießt er die Spaziergänge am Strand, atmet die salzige Luft ein und bewundert die Sonnenuntergänge. Kein Kalender, kein Druck. Nur das Rauschen der Wellen.

Er sitzt auf einem Felsen. Das Handy ist aus. Endlich Ruhe.

Wirklich?

Da kommen sie hoch: die Gedanken. Ganz leise haben sie sich eingeschlichen: die Fragen, die nicht im Büro geblieben sind; die Gefühle, die nicht einfach zu Hause warten wollten.

„Ich dachte, ich könnte einfach weg“, murmelt er halblaut in den Wind.

Sein Blick gleitet über das offene Meer. Dorthin, wo sich der Horizont im Dunst verliert. So weit weg, wie nur möglich. Es war, als würde sich eine fast vergessene Ahnung melden: selbst an den entferntesten Orten gerät niemand wirklich aus dem Blick.

„Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer,

so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.“

(Psalm 139,-9-10)

Da überkommt ihn ein Lächeln. Ausgerechnet hier, am Meer. Am „äußersten Ort“, den er erreichen kann, denkt er an diese Worte.

Was wäre, wenn das „Nicht-Entkommen-Können“ gar nicht das Problem ist?

Was wäre, wenn da einfach jemand ist, der ihn begleitet?

Gleichmäßig und ruhig rauschen die Wellen weiter. Zum ersten Mal hat er den Eindruck, dass ihn die Anwesenheit Gottes trägt. In ihm steigt die Gewissheit auf: Ich brauche nirgends allein hingehen. Da ist jemand, der bei mir ist.

Der Urlaub war danach nicht anders als sonst. Und doch hatte sich etwas verändert. Die Spaziergänge waren entspannter, die Gedanken ordneten sich. Und manchmal, wenn der Wind vom Meer kam, fühlte es sich an, als würde jemand neben ihm hergehen.

Am letzten Tag beim Packen, ist der Koffer wieder da. Doch nun liegt etwas Neues darin: Die Gewissheit, dass der Alltag zurückkommen wird – aber die Gegenwart Gottes immer mitreist.

Egal ob zwischen Terminen oder am äußersten Meer.

Eva

 

 


 

© 2026 Klaus Glas | Impressum | Datenschutzhinweise